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Pfingstlager Gantrisch 1945



Dieser Bericht stammt aus der Chronik 1939 - 46 der Modellfluggruppe Bern.
Der Text wurde wortwörtlich übernommen.

Am Samstag, dem 19. Mai bei ziemlich unsicherem Wetter, aber mit frohem Mut fuhren wir nach Burgistein. Es hat sehr viele Touristen unterwegs, das ist für uns einigermassen ein Trost - wenn es nun zu regnen anfängt, und es sollte bald anfangen - so sind wir auf jeden Fall nicht die Einzigen, die verregnet werden.

In Burgistein angelangt, marschierten wir denn fröhlich drauflos, allerdings schauten wir immer gegen das Gantrischegebiet, denn die schwarzen Wolken, die dort bis auf den Gipfel herunterhiengen, gefielen uns gar nicht. Bald wurden wir dann verregnet. Glücklicherweise befand sich ein Baumhaus in der Nähe, bei welchem wir Schutz suchten.

Nun, der Wettergott meinte es nicht so schlimm, bald hörte der Gewitterregen auf und von weiterem Nass wurden wir verschont. Erst als wir die Hütte erreicht hatten, fing es wieder in Strömen an zu regnen.

Der Aufstieg ist eigentlich schon eine kleine Leistung für sich. Nun, von den meistens sehr schweren Rucksäcken reden wir nicht, die sind nun mal ein notwendiges Übel, aber unsere "Vögel" werden mit der Zeit ziemlich anhänglich, wohl weniger wegen des Gewichts, als wegen dem Aufpassen, denn schnell ist ein Riss vorhanden, ein Steuer abgedreht und was dergleichen Schäden auch sind.

Alle sind wir schlussendlich rechtschaffen müde und so wird denn bald nach den Abendessen das Lager aufgesucht. Freilich wurde noch lange geplaudert und sogar gesungen, aber nach und nach wurde es doch still. Glücklicherweise hatten wir genügend Wolldecken bekommen, so konnten wir uns fein darin einwickeln und hörten dabei als Schlafmusik den Regen auf das Dach prasseln und den Wind um die Hütte pfeifen und heulen.

Gedanken wegen dem Wetter machten wir uns wirklich, hofften aber auf den guten Geist der M.G. Bern, und wirklich, am Morgen, schon um 5 Uhr ertönte es hier und dort: "I bi scho dunger gsi, s'isch wunderbars Wätter".

Dass wir bei diesem Wetter nicht mehr stillbleiben konnten, lässt sich denken. Bald war denn auch der Letzte mit seinem Kakao fertig, dass Geschirr weggeräumt und wir konnten gegen unseren Startplatz ziehen.

Sofort wurde dann mit den Wettbewerben angefangen. Das prachtvolle Wetter und der gute Wind lockten gar zu sehr. Ein Modell nach dem anderen wurde den Lüften anvertraut und wir bekamen sehr schöne Flüge zu sehen.

Die grösseren Flüge zeigten unsere Modelle aber erst am Nachmittag. Der längste Flug der Tages, der von einem "Flamingo" geflogen wurde, dauerte 3 min. und 46 s, das Modell flog während dieser Zeit eine Strecke von 925m. Auch die Konstruktion "Reiher" und "Falke" zeigten sehr schöne Flüge.

Wie schön der Anblick eines gut und sauber gebauten Modells ist, das still und ruhig seine Bahn durch die klare Luft zieht, ist unbeschreiblich. Wie leicht diese Vögel doch in der Luft schweben, so, als wären sie gar nicht von Menschenhand gefertigt...

Unser Startplatz und überhaupt das ganze Gelände ringsum ist sehr schön. Allerdings würden wir's auch nicht beklagen, wenn's ein bisschen weniger Wald hätte, denn jedesmal, wenn eines der Modelle im Wald landet, fängt eine lange Suche an. Und man muss sich immer darauf gefasst machen, dass einmal ein Modell in diesem, fast an Urwälder mahnende Wälder, gelassen werden muss, weil es einfach unauffindbar ist.

Aber halt, ein Modellbauer darf den Mut nie verlieren, auch nicht, wenn einmal ein Modell in Brüche geht, oder wenn es nicht mehr aufgefunden werden kann, denn: Die Modellbauer sind die zukünftigen Flieger der Heimat und auch diese dürfen den Mut nie verlieren.

Leider vergingen die Stunden viel zu schnell. Bald war's Abend und wir mussten unsere "Vögel" zusammenpacken um wieder in die Hütte zu gehen.

Am Montagmorgen durchzogen dicke Nebelschwaden das ganze Gebiet, welche sich am Mittag in strömenden Regen auflösten. Wir hatten darum das zweifelhafte Vergnügen, in diesem Regen wieder nach Burgistein hinunter zu wandern. Als wir dort ankamen, waren wir alle ganz durchnässt. Aber überall hiess es: "Das war wirklich schön, dieses Pfingstlager, und wir hoffen, dass wir ein solches jedes Jahr durchführen können".

Und trotzdem wir so richtig verregnet wurden, wird uns allen dieses Pfingstlager ewig in guter Erinnerung bleiben.

 

Geschrieben von Susi Reinhard 1945