Rückschau auf den Antikflugtag der MG –Bern vom 26.Juni 2010
verfasst von Peter Renggli
Wieder einmal hatten wir Antikflieger riesiges Wetterglück an unserem diesjährigen Antiktreffen. Von seiner besten Seite zeigte sich das erste warme und freundliche Wochenende, nach einer langen, nasskalten Periode. So verwunderte es nicht, dass viele Besucher ausblieben und lieber die Badesaison eröffneten.
Aber die treuen Freunde des antiken Modellfluges liessen sich nicht abhalten, nach Mühlethurnen zu kommen. So konnte Urs Brand 18 Teilnehmer mit ihren cirka 30 Modellen zum Briefing begrüssen. Bald war der Himmel über unserem Flugplatz mit zahlreichen Seglern und gemütlich brummenden Motormodellen gespickt.
Viele Modelle kannte man bereits von früheren Veranstaltungen, aber auch heuer tauchten einige beachtenswerte „Neuheiten“ auf.
Machen wir doch zusammen einen kleinen Rundgang :
Da war etwa der „Moskito“ von 1943 gleich in zweifacher Ausführung zu bestaunen.
Eine Schweizerkonstruktion aus schwerer Zeit, die Thomas Ghisler wiederentdeckt hat und dafür sorgte, dass auch der zugehörige Bauplan wieder erhältlich ist. Dass er auch anstelle des Originalen ETHA Motors, den ebenfalls aus dem Jahr 1943 stammen den Schweizermotor DATZ 4 nachgebaut und erfolgreich zum Laufen gebracht hat, ist schon erstaunlich.
Den zweiten Moskito von Rudolf Schenker treibt ein Holländischer Motor an.
Ein NOVA I von 1943. Ruedi hat gleich mehrere Exemplare nachgebaut und Interessierten zugänglich gemacht. Man muss sich die damalige Zeit, 1943 im besetzten Holland, einmal vorstellen. Wie es für einen Modellflieger dazumal mit Flugmodell- Baumaterial und den „Freizeit- Aktivitäten“ aussah? So blieb wahrscheinlich nur die Möglichkeit, im stillen Keller seine Motoren selber zu bauen, zu hoffen, dass man den Krieg überlebt, um dann später einmal…....
Umso schöner, dass diese unter schwierigsten Bedingungen entstandenen Meisterwerke nicht vergessen gingen, ja heute in neuem Glanz erstrahlen.
Dann war da der Motor von Walter Kratsch aus Gössnitz, Gross-Deutschland 1937.
Der KRATMO 10. Ein damals beinahe unerschwingliches Triebwerk, das sich viele Leute nur erträumen konnten.
Peter Renggli hat 2 Exemplare nachgebaut und Nr. 1 auf dem Prüfstand laufen lassen. Was für ein Sound 76 dB !! und dann der Geruch : Wie damals auf der Bremgarten Rundstrecke beim Töffrennen.
Man darf gespannt sein, was dieser Motor dereinst in die Luft befördern soll.
Es gibt aus den vergangenen Zeiten noch viele Juwelen zu entdecken und Schätze zu heben.
Wie erstaunlich der Anblick des filigranen *Silentius* Das erste elektrisch angetriebene Flugmodell des Elektro-Flugpioniers Fred Militky.
Hier in Mühlethurnen konnte man das Rad der Zeit um 30-ja bis 50 Jahre zurückgedreht erleben. Mit dem heutigen Stand des Elektroantriebes ausgestattet, braucht der Silentius keinen Vergleich mit einem modernen Parkflyer zu scheuen.
Und dann dieser unglaubliche Oldtimer – Schleppzug ! Der Riesensegler G-41 von Emil Glünkin, gezogen von einem Red Zephyr. Das Gespann war dann leider doch etwas instabil und musste in 50 Meter Höhe geklinkt werden.
Aber der G-41 drehte unbeirrt doch noch einige gemächliche Platzrunden.Der G-41 Segler war schon letztes Jahr auf unserem Platz anzutreffen und beeindruckte durch seine aussergewöhnlich geringe Sinkrate.
An früheren Treffen entstanden auch viele hervorragende Fotos des G 41 die den Teilnehmern zusammen mit den Bildern des Treffens auf CD abgegebenen wurden und natürlich in Antik-Kreisen weltweit im Internet die Runde machten.
Damit waren Reaktionen zu diesem oder anderen Modellen wohl zu erwarten.So erhielt ich aus England und Australien Anfragen nach dem Bauplan eben dieses G-41 Seglers.
Die Gentlemen wussten sogar, dass damit 1944 ein Dauer Weltrekord von 2 Stunden 21 Minuten aufgestellt wurde.
Bald war vom Bauplan Archiv Walter Wolf ein dicker Umschlag nach Britanien unterwegs. Ein gewisser Peter Michel aus Portsmouth sandte kurz darauf eine Foto seines Rumpfspants Nr.1
3 Tage später folgte Rumpfspant Nr.2 3 Tage später und so weiter……
Ein Monat später war der G-41 fertig gestellt und ohne ist Fernsteuerung geflogen. Mit Original Schweizerkreuz notabene und Rudolf Schenkers Immatrikulation!
Solche erfreuliche Auswirkungen unseres Treibens motivieren und spornen zu weiteren Anstrengungen an.
A propos Bauplan-Archiv:
Von Willy Tauss, dem Mitbegründer unserer MG-Bern vor 75 Jahren, sind die meisten seiner wegweisenden Konstruktionen registriert und als Plan erhältlich.
Aber es gibt Lücken. So forschen einige engagierte Modellbauer intensiv nach Unterlagen seiner Motormodelle „Borzoni“ und „Wespi“ Wir sind um jeden Hinweis dankbar.
Aber zurück zu „unserem“ Flugtag.
An der Hochstartwinde war zeitweise eine richtige Warteschlange zu beobachten. Pausenlos wurden die formschönen Segler nach oben geschleppt.
Pilot 4, Pinguin, Pelikan, G-41 etc. suchten in weiten Kreisen nach Thermik. Zum Teil mit erfreulich langen Flugzeiten. Fredy Genther sorgte mit seiner Flotte von Gummimotormodellen für weitere Höhepunkte und erntete Staunen und Lob für seine routiniert präsentierten Vögel.
Leider frischte der Wind immer mehr auf und für die leichteren Modelle wurden die Verhältnisse immer schwieriger. Somit wurde natürlich unser Beitzli ein beliebter und gut besetzter Ort um zu essen, trinken oder zum diskutieren. Dank dem treuen, eingespielten Küchen-Team wurden Alle bestens versorgt.
Rundum zufriedene Gesichter.
Auch der Druck der persönlichen Erinnerungsurkunden und das Brennen der obligaten CD mit den Bildern unseres Fotografen wurden durch den tüchtigen EDV Spezialisten Pascal Schlumpf speditiv erledigt.
So konnten diese am früheren Nachmittag abgegeben werden und wir wussten, dass auch der diesjährige Flugtag ein voller Erfolg geworden ist.
Wir treffen uns bestimmt wieder nächstes Jahr, jedoch voraussichtlich im Herbst, zum erneuten Oldtimer- Stelldichein. So kann man nur hoffen, dass die Anhänger der Anfänge des Modellflugs bei der Schatzsuche fündig werden und wiederum so liebevoll aufgebaute Kostbarkeiten mit nach Mühlethurnen bringen.
Besten Dank an Alle, die zum Gelingen dieses schönen Tages beigetragen haben.