Berichte 2008
Segelflug Wochenende „Grosse Scheidegg“
22. bis 24. Aug 2008
Jeder Verein hat seine Traditionen, bei der MG Bern gehört das Segelfluglager am Pfingstwochenende zu der am längsten gepflegten. Dieses Jahr war Pfingsten so früh im Kalender, dass zu diesem Zeitpunkt an einen Segelflugbetrieb auf der Grossen Scheidegg nicht zu denken war, immerhin befindet man sich dort auf fast 2000m Höhe.

Als Ersatz für das „Pfingstlager“ reservierten wir uns ein verlängertes Wochenende, vom 22.8. bis 24.8. im Berghotel. Insgesamt 12 Personen haben sich schliesslich für die Teilnahme angemeldet.
Dauerthema für jeden Segelflugbetrieb ist das Wetter. Die Vorhersagen für Freitag und Samstag waren nicht eben rosig, für Samstag war sogar starker Regen gemeldet. Erst für den Sonntag versprachen die Wetterfrösche schönes Wetter.
Freitag, 22. Aug.
Die meisten Teilnehmer reisten bereits am Vormittag an, um die Zeit bis zur herannahenden Schlechtwetterfront zu nutzen. Ein richtiger Entscheid, wie sich zeigen sollte.
Bei recht angenehmen Temperaturen liess sich mit leichteren Modellen bereits vor dem Mittag ganz ordentlich fliegen. Aufziehendes Gewölk verhinderte zwar eine kräftige Thermikentwicklung, dafür frischte allmählich der Wind auf, somit konnten wir nun die schnelleren Modelle einsetzen.
Per Telefon erfuhren wir von Freunden, dass es in der Region Bern bereits regnete, während wir uns auf der Grossen Scheidegg noch bis weit in den Nachmittag hinein mit Hangflug vergnügten. Doch die Kaltfront nahte unerbittlich und lehrbuchmässig konnten wir mitverfolgen, wie damit die Wolkenuntergrenze immer weiter sank.
Noch hat es Wolkenlücken und ein Christian Gafner lässt sich vom drohenden Nebel nicht beirren.
Bald zogen Nebelschwaden über das Fluggelände und zwangen uns nach und nach zum Rückzug. Nur die etwas später eingetroffenen Maurer’s, Vater und Sohn, wetterfest wie eh und je, drehten weiterhin ihre Runden durch den Nebel. Vor dem einsetzenden Regen kapitulierten schliesslich auch sie und wir zogen uns alle ins Berghaus zurück. Gerade rechtzeitig zum Apéritif vor dem üppigen Nachtessen.
Peter Maurer fliegt noch im Nieselregen mit Sichtweiten unter 25m.
Ja und wie verbringt man den Abend im Segelfluglager? So wie immer wenn sich Modellflieger treffen, man fachsimpelt, tauscht Erfahrungen und Wissen aus, erzählt sich Geschichten, wirklich erlebte und solche die man, sagen wir mal „gehört“ hat. Zwischendurch begibt man sich in den prima eingerichteten Modell – Abstellraum, um nach dem Ladezustand der angeschlossenen Akkus zu sehen. Eben dort genehmigt man sich auch mal einen Schluck vom besonderen „Minzentee“, von dem Andres und ich je eine Flasche mitgebracht haben. Irgendwann macht das dann auch die Letzten müde und sie ziehen sich in den kollektiven „Schnarchraum“ zurück.
Ordnung muss sein im Modell-Abstellraum.
Samstag, 23. Aug.
Schon beim Morgenessen wird klar: dieser Tag bringt kein super Segelflugwetter.
Es ist recht stark bewölkt, nur hin und wieder dringt die Sonne durch die spärlichen Wolkenlücken, doch bleibt es vorerst trocken. Zum Glück kommt immer wieder etwas Wind auf, sehr wechselhaft zwar, mal aus östlicher Richtung, mal aus Westen. Der Wind ermöglicht uns bis in den Nachmittag hinein einige Flüge. Gegenüber dem Vortag ist die Temperatur allerdings deutlich gesunken und die Piloten haben sich entsprechend angezogen. Bloss Manuel, unserem gut gelaunten Gast aus der Ostschweiz, dem scheint das nichts auszumachen, der Kerl hat ein outfit als wäre er am Strand in der Karibik.
(Bilder: Die Wolken hängen schon tief, aber tragen tut es noch ganz prima. Jetzt fliegen nur noch die ganz Mutigen. )
Kurz nach drei Uhr ist es dann aber vorbei mit lustig, der Nebel macht den Hang endgültig dicht, es beginnt zu regnen und wie! Wir flüchten alle ins Berghotel, dort zückt Jan sein Pokerset und findet rasch einige Mitspieler.
Andere wiederum ziehen es vor, sich mit einer kleinen „Siesta“ auf den anstrengenden Abend, bei „Minzentee“ und Fliegerlatein, vorzubereiten.
Riesenlärm weckt mich aus dem Nickerchen und ich begebe mich in die Gaststube. Nein, es sind nicht „meine Schäfchen“ welche den Lärm verursachen. Die sitzen ganz brav an den Tischen, auch die Spielgesellschaft. Pokerface-Jan mit einem Berg von Jetons vor sich, er hat seine Mitspieler bös abgetrocknet. Hätten sie um Geld gespielt, würde Jan sich eine ganze Modellflugausrüstung zusammenkaufen können.
Der Lärm wurde durch einen Feuerwehrverein auf „Betriebsausflug“ aus dem Aargau verursacht. Mann oh Mann, die haben das innere Feuer kräftig gelöscht und gesungen dass das ehrwürdige Berghotel bis in die Grundmauern zitterte.
Der Samstagabend verläuft dann wie gehabt, ausser dass der „Minzentee“ zur Neige geht und Andres uns noch seinen undefinierbaren ukrainischen Fusel andrehen will.
Puhhh… wer den mal versucht tut’s nie wieder!
Sonntag, 24. Aug.
Noch in der Nacht regnete es wie aus Giesskannen, ich zweifelte schon am Versprechen der Meteorologen für schönes Wetter am Sonntag.
Aber was für ein Erwachen am Sonntagmorgen, keine Wolke am Himmel, die vom Regen reingewaschene Luft bot eine kristallklare Sicht bis an den Horizont.
Es begann ein herrlicher Spätsommertag in den Bergen, wie er schöner nicht sein kann.
Bald nach dem Morgenessen setzt die Feuerwehrgesellschaft ihre Reise fort, manche unter ihnen bestimmt noch mit Brummschädel, und wir machen unsere Modelle startklar.
In Erwartung guter Thermik werden auch Flieger bereitgestellt, welche an den beiden Vortagen noch im Abstellraum bleiben mussten.
Das superprächtige Wetter lässt nun auch wieder Sommerbekleidung zu und wir machen einige Flüge bis zum Mittagessen. Am Tisch hat es jeder eilig, wir ahnen, dass es nun endlich zur „Sache“ geht. Tatsächlich zeigen schon die ersten Probeflüge am Nachmittag, dass Elektroantriebe überflüssig sind. Allerfeinste Blauthermik (thermische Aufwinde ohne Wolkenbildung) trägt unsere Modelle in schwindelnde Höhen. Manche flogen so hoch, dass man sie wohl auf dem Gletscher des Wetterhorn hätte „parkieren“ können. Ich selber bin nicht so der „Höhenflieger“ einmal gewonnene Höhe will ich pfeifen hören. Auf jeden Fall sind auch all jene welche diese Art des Segelfliegens mögen auf ihre Rechnung gekommen.
Die Vereinskollegen Edi Ernst mit Rosmarie und Karl Meier, an diesem Tag zu Besuch auf der Grossen Scheidegg, bereuten es sicher kein Modell mitgebracht zu haben.
Links: Es trägt schon, Stefan will auch mitfliegen. Rechts: Alle sind am rumfetzen, die leichten Modelle bleiben am Boden und werden scharf bewacht.
Ach wo ist er denn mein Flieger?
Viel zu früh, so gegen vier Uhr Nachmittags, begannen einige ihre sieben Sachen zu packen um den Heimweg anzutreten. Offenbar hatte jeder genug Flugzeit erreicht und seinen Aufenthalt beendet, obwohl man bis in den Abend hinein hätte weiterfliegen können.
Ganz sicher wird dieses Lager allen Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben, umso mehr als sich wiederum zeigte, dass selbst bei „mittelprächtigen“ Wetteraussichten die Grosse Scheidegg zum Segelfliegen gut sein kann.
Erwähnenswert ist auch, dass während des Lagers meines Wissens kein einziger grösserer Materialschaden zu verzeichnen war, bei einigen dutzend Flugstunden, alle Teilnehmer zusammengerechnet wohlverstanden.
Ich freue mich jetzt schon auf das Segelflug-Pfingstlager 2009 auf der Grossen Scheidegg. Es wäre toll, wenn möglichst zahlreiche Kollegen mitmachen. Soweit Platz vorhanden sind selbstverständlich auch Gastpiloten herzlich willkommen.
Text: Charles Morgenthaler
Fotos: Kurt Bärtschi und Jürg Grossenbacher
Lagerteilnehmer:
Bärtschi Kurt, Fleischer Jan, Fleischer Stefan, Gafner Christian, Gerber Ruedi, Grossenbacher Jürg,
Maurer Andres, Maurer Peter, Morgenthaler Charles, Nyffenegger Andreas, Ruiz Manuel, Steiner Raffael.

